Verein zur Förderung der Mensch-Tier-Beziehung e.V.

Praktikumsbericht zum Thema

" Kinder mit Pferden stark machen -  Wie der Reitunterricht beim Verein HUNKAPI e.V. zur Förderung der Resilienz bei Kindern beiträgt"

(Autor: U. Link-Dorner und Kerstin Dietrich)

Der Verein HUNKAPI- zur Förderung der Mensch-Tier-Beziehung e.V. bietet seit 2006 tiergestützte Förder- und Freizeitaktivitäten sowie Reitunterricht für Kinder und Jugendliche an.  Die reiterlichen Angebote beanspruchen förderlich für die persönliche Entwicklung junger Menschen zu sein, indem sie deren Resilienz  stärken.
Die vorliegende Arbeit, die im Rahmen eines 6-wöchigen Praktikums der Psychologie-Studentin Kerstin Dietrich ( Univers. Saarbrücken) verfaßt wurde, soll diese Behauptung theoretisch untermauern.

Da sich der Reitunterricht bei HUNKAPI in wesentlichen Merkmalen von dem anderer Reitschulen unterscheidet, wird er zunächst einmal beschrieben:

I. Charakterisierung des Reitunterrichts bei HUNKAPI

1. Ziele des Reitunterrichts bei HUNKAPI

Aus Sicht der Reitschüler besteht das Ziel darin, sich entspannt, stressfrei und mit Spaß für Roß und Reiter in der Natur bewegen zu können. Es geht also um das Erlernen einer Freizeitaktivität, die Spaß macht, und nicht um das Erbringen  sportlicher Leistungen. Der Unterricht bei HUNKAPI ist wenig wettbewerbsorientiert gestaltet, "schneller-höher-schöner“ spielen kaum eine Rolle, Spiele mit Siegern und Verlierern finden selten statt.

2. Inhalte des Reitunterrichts bei HUNKAPI:
Zum Reitunterricht gehört neben dem Erlernen des Reitens vom Pferderücken aus auch: die Vermittlung elementaren pferdebezogenen Wissens,Übungen zum Beziehungsaufbau und zur Kontrolle des Pferdes vom Boden aus, Versorungs- und Pflegeaufgaben.


Zu jeder Reitstunde gehört das Vor- und Nachbereiten der Tiere: Am Anfang führen die Kinder die Pferde aus ihren Paddocks heraus, putzen sie, checken die Hufe und helfen beim Satteln - zum Abschluss der Stunde wird das Tier abgesattelt und zurück in seinen Paddock oder auf die Koppel geführt.
Bodenarbeit, also die Arbeit mit dem Pferd vom Boden aus, findet i. d. R. im Round-Pen (= rundes geschütztes Klassenzimmer) statt und dient dem Beziehungsaufbau, der Klärung der Mensch-Pferd-Rangordnung und der Ausbildung der Pferde. Hierzu zählt z.B. das „Driving Game“, bei dem das Kind das Pferd gezielt in allen Gangarten bewegt, ohne Benutzung von Longe oder Peitsche.
Zudem wird den Kindern wichtiges theroretisches Wissen über die Psyche, die natürlichen Verhaltensweisen und die Anatomie von Pferden vermittelt. Dies geschieht in altergemäßer spielerischer Weise. Beispielsweise dürfen die Kinder mit Farbkreide auf dem Pferd erfragte Körperteile des Tieres anmalen.


3. Naturell der HUNKAPI-Pferde

HUNKAPI-Pferde werden naturnah gehalten, ganzjährig im Herdenverband mit Offenstallhaltung und wann immer das Wetter es zuläßt, auf Koppeln. Die ca. 17 HUNKAPI-Pferde und Ponys sind zwischen 3 und 28 Jahre alt und gehören verschiedenen Rassen an ( Quarter Horse, Araber, Kaltblut, Hannoveraner Norweger-Mix, Haflinger, Isländer ). Manche haben einen edlen Stammbaum und eine Turnierpferd-Karriere hinter sich und kamen dann als nicht mehr reitbar zum Verein oder weil sie ihre Kosten nicht mehr wert waren. Einige wurden vor dem Schlachter gerettet. Alle eingesetzten Tiere wurden bei HUNKAPI selbst für ihren Einsatz als Freizeit- und Therapiepferde ausgebildet.
Sie sind allesamt sehr ausgeglichen und „cool“. In den 5 Jahren der Vereinstätigkeit ist noch kein Pferd durchgegangen und es gab bislang noch niemals einen „schweren“ Reitunfall mit Knochenbrüchen o.ä.. Angesichts „normaler“  Umweltereignisse, wie z.B. Hunden, Autos, Flugzeugen, Heißluftballons, Kinderschreien, reagieren sie gelassen, weil sie es gewohnt sind oder mittels Desensibilisierung daran gewöhnt wurden. Wenn sie von Ihren Artgenossen weg oder aus dem Stall geführt werden zeigen sie keinen überhöhten Bewegungsdrang.Da sie in der Zeit bei HUNKAPI niemals Züchtigung durch den Einsatz von Gebissen, Gerten oder Sporen erfahren haben, sind sie ungebrochene Individuen. Sie machen aktiv mit und drücken aktiv ihre Bedürfnisse aus. Wenn ein Pferd beispielsweise anzeigt, dass es heute nicht zur Mitarbeit beim Reitunterricht bereit ist, hat es möglicherweise Schmerzen ( die man noch nicht erkannt hat, da Pferde ja keinen Schmerzschrei haben)und es wird beim Reitunterricht nicht eingesetzt.
Selbstverständlich sind auch längere Pausen für ein Pferd zwischen mehreren Einsätzen, um dessen Überlastung zu verhindern. Die Einzellonge oder längeres Longieren in einer Richtung findet, um Fehlbeanspruchungen zu vermeiden, keine Anwendung.

Aufgrund der genannten Bedingungen sind die Pferde bei HUNKAPI physisch wie psychisch sehr stabile Tiere. Sie sind zuverlässig im „aktiven“ Sinne, was meint, daß sie sicher sind, weil sie aktiv mitdenken, und nicht, daß sie reaktionsarm sind, weil sie psychisch abgestumpft sind. Sie können daher ohne größeres Risiko * für verschiedenste Programme und Zielgruppen eingesetzt werden z. B. auch bei Pferde-Trekking-Touren mit Reit-Anfängern. Außerdem sind sie durchweg sehr sensibel, dem Menschen zugewandt und reagieren sehr feinfühlig und individuell auf ihren Partner, was sie zum Einsatz bei Angeboten auch für besondere ( uz. B. verhaltensauffällige) Kinder prädestiniert.

*Ein Restrisiko bleibt jedem Sport und speziell jedem bewegungs-intensiven Natur-Sport inne


4.) Umgang mit Pferden/ Reitweise bei HUNKAPI
Der bei HUNKAPI praktizierte Umgang mit Pferden beruht auf fundierten Kenntnissen über die Tierart Equus. Dieses Wissen darüber, wie ein Pferd lernt, wie es kommuniziert, was es verstehen kann, wann es bereit ist sich unter zu ordnen und zu folgen, wovor es Angst hat, wodurch es beruhigt werden kann, wie es andere und seine Umgebung wahrnimmt, ... ist die Basis und Inhalt des Reitunterrichts. Das Kind lernt zunächst PFERDISCH:MENSCH,also das Pferd zu verstehen,und dann MENSCH:PFERDISCH,also sich dem Pferd verständlich zu machen.
HUNKAPI folgt dem Konzept des Native Horsemanship, einem ganzheitlichen Ansatz des Umgangs mit Pferden, der auf der Stone-Hill-Ranch entwickelt wurde und gelehrt wird. Das Native Horsemanship orientiert sich, was den Beziehungsaufbau zum Pferd anbelangt, am Indianischen Pferdetraining nach Gawani Ponyboy. Für die Pferdeausbildung vom Boden aus wurden Übungen von Pat Parelli weiterentwickelt. Die Reitweise entspricht der natürlichen, nicht-mechanischen Reitweise von Fred Rai. Dabei werden alle Pferde ausnahmslos gebisslos und in natürlicher Haltung geritten. Ebenfalls tabu sind Gerten, Ausbinder oder Sporen. Verwendet werden nur Hilfsmittel, wie z.B. weiche Knotenhalfter, die auch in der Hand eines Anfängers keinen Schmerz beim Pferd verursachen können. Somit ist gewährleistet, dass dem Pferd während des Reitens niemals unbeabsichtigt oder fahrlässig Schmerzen zugefügt wird.( Zahlreiche Studien belegen, dass alle Gebisse im Maul eines Pferdes zu Stress führen, auch unbetätigt und in der Hand eines feinen erfahrenen Reiters.)

Die Grundaussage dieser Reitweise lautet: „Wenn dich dein Pferd als Herden-Chef akzeptiert und eindeutig versteht, was du von ihm willst, wird es dir gerne und freiwillig gehorchen.“ Unnatürliche Leistungen, die nicht im naturgegebenenBewegungsrepertoire des Pferdes liegen (Sprünge über einen 1,50 Meter hohen Oxer), werden dem Tier bei dieser Reitweise nicht abverlangt.



5.) Setting

Unser Reitunterricht findet im Roundpen, auf einem offenen Reitplatz oder im Gelände statt. Anders als bei vielen Reitschulen sind Ritte im Gelände häufiger Bestandteil des Unterrichts. Die Stunden finden bei fast jedem Wetter statt, so dass die Kinder ungewohnte Naturerfahrungen sammeln und dabei die Erfahrung machen können, dass sie auch widrige Witterungs-bedingungen unbeschadet verkraftet


6.) Pädagogischer Lehrstil
Beim Reitunterricht wird ein autoritativer Erziehungsstil gepflegt. Dieser beinhaltet, dass einerseits eindeutige Regeln, klare Strukturen und Anforderungen bestehen, auf deren Einhaltung konsequent geachtet wird. Gleichzeitig ist ein hohes Maß an individueller Unterstützung und emotionaler Wärme gegeben.
Die Einheiten sind „step by step“ aufgebaut: Es wird erst zur nächsten Stufe übergegangen, wenn der vorige Schritt bei allen „sitzt“. Dadurch wird verhindert, dass sich bei schwächeren Schülern im Verlauf des Unterrichts Frustrationserlebnisse kumulieren. 
Die Reitstunden werden grundsätzlich mit einem positiven Erlebnis für jedes Kind beendet, sodass alle mit dem Gefühl, etwas erreicht zu haben, nach Hause gehen. Außerdem wird ein individualisiertes Feedback gegeben, was bedeutet, dass die Leistung eines Kindes grundsätzlich nicht mit der der anderen Kindern verglichen wird, sondern stets mit seinen eigenen früheren Leistungen. Es steht also nicht der Wettbewerb und der bewertende Vergleich mit anderen im Vordergrund sondern das persönliche „Wachstum“ eines jeden Kindes.

II: RESILIENZ

Was ist Resilienz?
Resilienz kommt aus dem lateinischen und bedeutet „Abprallen“.
Resilienz bezeichnet die psychische Widerstandsfähigkeit eines Kindes gegenüber biologischen, psychologischen und psycho-sozialen Entwicklungs-Risiken. Anders formuliert, Resilienz ist das PSYCHISCHE IMMUNSYSTEM, das ein Kind entwickelt hat, um erfolgreich mit Belastungen umzugehen.
Ausgangspunkt der Resilienz-Forschung war die Erkenntnis, daß es Kinder gibt, die gesund und unauffällig bleiben, obwohl sie aufgrund ungünstiger Bedingungen dafür prädestiniert wären, zu erkranken.*
Die Frage lautet also „ Was erhält ein jungen Menschen gesund - trotz widriger Umstände“.

* z.B. Studie von JORDAN:  Wenn Kinder unter schwierigen Bedingungen wie Armut, Migrationshintergrund, psychische Störungen der Eltern etc. aufwachsen, werden viele davon später auffällig. . Ein Beispiel sind Suchterkrankungen der Eltern, was nachgewiesenerweise zu einer erhöhten Suchtgefahr bei den Kindern führt. Es gibt jedoch Kinder, die aus solchen Bedingungen ohne psychischen Schaden hervorgehen.


Resilienzforschung beschäftigt sich 1. mit den RISIKO-Faktoren = widrige Lebensumstände, die die gesunde Entwicklung eines Individuums gefährden und 2. mit den SCHUTZ-Faktoren = Ressourcen, die dazu beitragen, daß trotz hoher Risiken für die Entwicklung einer Störung, eine erfolgreiche persönliche und psychosoziale Entwicklung gelingt.

Resilienz kann nur durch ein Zusammenspiel aus Risikofaktoren und Schutzmechanismen entstehen (M. Zander). Einerseits muss das Kind sogenannten Risikofaktoren, also belastenden Situationen ausgesetzt sein. Andererseits muss es bestimmte Schutzmechanismen besitzen, auf die es unter ungünstigen Aufwachsbedingungen zurückgreifen kann, um schlussendlich unbeschadet und resilient aus der Situation hervorzugehen.

Risikofaktoren:
Risikofaktoren werden von mehreren Autoren unterschiedlich strukturiert . Wir unterscheiden 4 Kategorien


Risiko-Faktoren:

1. Biologische Faktoren: (Chronische, evt. genetisch bedingte Erkrankungen oder Entwicklungsverzögerungen; prä- und perinataler Stress)

2. Familiäre Risiken: Erkrankung der Eltern (Depression, Alkohol- und Drogenkonsum) ; behindertes Geschwisterkind

3. Familiäre Prozesse: Elterliche Gewalt; autoritäre oder gleichgültige (laissez-faire) Erziehungspraktiken; andauernde ungelöste Familienkonflikte; Vernachlässigung im Elternhaus

3. Traumatische Erlebnisse = Erlebnisse, bei denen Menschen direkt mit der Bedingtheit und Endlichkeit ihres Lebens konfrontiert werden (= Unsichere Bindungsorganisation): Trennung von wichtigen Personen (durch Tod, Scheidung, Umzug, Übergang Kindergarten zu Schule)

4. Soziodemographische Risiken: chronische Armut; Arbeits-losigkeit der Eltern; Leben in Gewaltmilieus; niedriges Bildungsniveau der Familie

Schutzmechanismen/ Protektoren:

Wie schon bei den Risikofaktoren gibt es auch zu den Schutzmechanismen unterschiedliche Modelle. Hier soll in gekürzter Form das Modell von Corinna Wustmann vorgestellt werden, die die Schutzmechanismen in personale und soziale Ressourcen unterteilt (M. Zander).

1.) Personale Ressourcen
- kindbezogene Faktoren: feststehende Eigenschaften wie zum Beispiel: intellektuelle Fähigkeiten oder positive Temperamentseigenschaften ( optimistisch, aktiv, freundlich, ausgeglichen)
-  die (eigentlichen) Resilienzfaktoren: erworbene Eigenschaften wie zum Beispiel positives Selbstkonzept, Selbstwirksamkeitsüberzeugungen, hohe Sozialkompetenz, Problemlösefähigkeit, realistische Selbsteinschätzung

2.) Soziale Ressourcen
- innerhalb der Familie: mindestens eine stabile, emotionale Bindung zu einer primären Bezugsperson; emotionaler, regelgeleiteter und klar strukturierter Erziehungsstil; sichere sozio-ökonomische Bedingungen
- in den Bildungsinstitutionen: klare Regeln und Strukturen, Förderung der Basiskompetenzen
- im weiteren sozialen Umfeld: stabile wechselseitige Beziehungen zu Kindern/Erwachsenen auch außerhalb der Familie, zugängliche Ressourcen im Stadtteil


Sind die Schutzmechanismen des Kindes gut genug ausgeprägt, so dass es eine belastende Situation ohne psychischen Schaden oder Entwicklungsbeeinträchtigung übersteht, kann man es als „resilient“ bezeichnen. Im folgenden Abschnitt ist ein Modell nach Grothberg dargestellt, das sehr anschaulich zeigt, woran man ein Kind mit stark ausgeprägten Schutzmechanismen erkennt. 

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Ich habe…  

– Menschen, die mir vertrauen und die mich lieben
– Menschen, die mir Grenzen setzen
– Menschen, die mir Vorbilder sind und von denen ich lernen kann
– Menschen, die mich dabei unterstützen und bestärken, selbstbestimmt zu handeln
– Menschen, die mir helfen, wenn ich krank oder in Gefahr bin und die mich unterstützen, Neues zu lernen.   

Ich bin

– ein Kind, das von anderen wertgeschätzt und geliebt wird
– froh, anderen helfen zu können und ihnen meine Anteilnahme zu signalisieren
– respektvoll gegenüber mir selbst und anderen
– verantwortungsbewusst für das, was ich tue
– zuversichtlich, dass alles gut wird.   

Ich kann

– mit anderen sprechen, wenn mich etwas ängstigt oder mir Sorgen bereitet
– Lösungen für Probleme finden, mit denen ich konfrontiert werde
– mein Verhalten in schwierigen Situationen kontrollieren
– spüren, wann es richtig ist, eigenständig zu handeln oder ein Gespräch mit jemandem zu suchen
– jemanden finden, der mir hilft, wenn ich Unterstützung brauche.
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III: Wie der Reitunterricht bei HUNKAPI zur Förderung der Resilienz beiträgt

1.  Personale Ressourcen

Selbstwirksamkeit: Ein Kind ist selbstwirksam, wenn es davon überzeugt ist, dass sein eigenes Handeln etwas bewirken wird. Es weiß also, dass es durch seine eigenen Kompetenzen schwierige Situationen meistern kann und ihnen nicht „ausgeliefert“ ist.
Beim HUNKAPI-Reitunterricht wird in jeder Stunde für jedes Kind ein Lernziel gesetzt, das so gewählt ist, dass es das Kind fordert, aber nicht über- oder unterfordert, das also eine realistisch bewältigbare Herausforderung darstellt.  Z.B. soll Nina heute den sicheren Sitz im Trab erlernen; Patrick soll heute lernen, das Pferd vom Schritt in der Trab zu bringen. Durch die Setzung derartiger Nahziele können Kinder die Erfahrung machen, dass sie ihr eigenes Vermögen und eigene Anstrengungen zum Erfolg führen Durch das Erreichen vieler kleiner Fortschritte kann Selbstwirksamkeit stabilisiert werden (M. Jerusalem).

Soziale Kompetenzen: Vielen Kindern mangelt es an sozialen Fähigkeiten wie Geduld, Toleranz gegenüber Schwächeren, Rücksichtnahme und Einfühlungsvermögen (Empathie. Bestimmte Aufgaben innerhalb der Reitstunden dienen dazu, dass Kinder diese Kompetenzen üben. Als Beispiel läßt sich die Übung „Reite eine Volte um ein anderes Kind“ nennen. Hier sollen einige Kinder still und möglichst regungslos stehen bleiben, damit andere um sie herumreiten können. Sie lernen dabei, andere Lebewesen aktiv zu beobachten und sich rücksichtsvoll zurückzunehmen bis sie an der Reihe sind.
Eine weitere soziale Kompetenz, die beim HUNKAPI-Reitunterricht geübt wird, ist die Fähigkeit, deutlich und eindeutig zu kommunizieren insbesondere nonverbal, denn die Pferde reagieren hier vor allem auf die Körpersprache des Menschen. HUNKAPI-Pferde gehorchen und folgen nur demjenigen, der ( wie das Leittier) deutlich eine Anforderung an sie richtet und konsequent vertritt. Somit „bestraft“ das Pferd unaufmerksames, halbherziges und nachlässiges Verhalten durch Ungehorsam, wodurch das Kind seinerseits Achtsamkeit und Konsequenz entwickelt.
Zudem werden im Unterricht „nebenbei“ wichtige Informationen über das Wesen von Tieren im Allgemeinen und von Pferden im Speziellen vermittelt. In jeder Situation wird dem Kind vorgelebt,  mit welchem Verhalten der Mensch eine harmonische Beziehung zum Tier erreichen kann. Da Kinder durch Beobachtung von anderen am meisten lernen, entwickeln sich in dieser Art der Mensch-Tier-Beziehung Grundmuster und Einstellungen, wie Achtung, Verantwortungsbereitschaft und Respekt vor der Würde des anderen, die auch auf die mitmenschlichen Beziehungen übertragen werden.


Unterstützung realistischer Selbsteinschätzungen: Das Feedback, das Kinder bekommen, kommt in erster Linie von den Pferden. Diese sind hervorragende Feedbackgeber. Sie beherrschen die Regeln, wie eine Rückmeldung gegeben werden muss, damit sie angenommen werden kann: Nämlich unverzüglich, eindeutig und konkret. Außerdem kann man mit Tieren nicht diskutieren. Das Kind weiß, dass wenn das Pferd nicht macht, was es von ihm möchte, dies immer an ihm selbst liegt. Wenn z.B. das Pferd beim sogenannten "Driving Game" im Roundpen nicht an dem Punkt anhält, wo es soll, war das Kind zu zaghaft oder zu langsam. Außerdem sind Tiere in ihren Rückmeldungen sehr objektiv und lassen sich nicht durch „coole“ Sprüche, Markenklamotten, Aussehen o. ä. beeindrucken. Auf diese Weise lernen Kinder ihre Stärken und Schwächen, ihr Potenzial und ihre Grenzen realistisch einzuschätzen.

2.   Soziale Ressourcen

1.  Außerfamiliäre Bindungen: Die Reitgruppen auf der Ranch werden nicht zufällig zusammengestellt. Wenn der Reitlehrer erkennt, dass sich ein Kind in der Gruppe nicht wohl fühlt, sucht man eine passendere Gruppe heraus. So kann dem Kind die Möglichkeit gegeben werden, außerhalb von Schule und Familie, neue tragende Beziehungserfahrungen zu sammeln. Oftmals bilden sich Freundschaften und Fahrgemeinschaften. Eine Kind-Tier-Beziehung kann im Rahmen der Übernahmee einer Tierpatenschaft langfristig erhalten und vertieft werden.
2.   Autoritativer Erziehungsstil: Dieser pädagigische Stil, der hohe Anforderungen und klare Regeln mit viel emotionale Wärme kombiniert, ist erwiesenerweise produktiv und entwicklungsfördernd. Kinder, die selten mit Anforderungen und Regeln konfrontiert werden, also einen sogenannten laissez-faire Erziehungsstil genießen, erfahren in dieser Art des Reitunterrichts, dass Regeln unumgänglich sind. Halten sich Kinder nicht an die Anweisungen des Reitlehrers, dann wird auch das Pferd nicht das von ihnen erwünschte Verhalten zeigen.Das Nichtbeachten hilfreicher Regeln führt unverzüglich zu einem negativen Feedback des Pferdes. Unmißverständlich und nicht-diskutierbar lernen Kinder, wie wichtig und sinnvoll es ist, definierte Regeln zu kennen und zu befolgen, sowie Grenzen nicht leichtfertig zu überschreiten.